(Teil 2)

 

Wahrscheinlich verachtete ihn Lucie inzwischen wegen seiner Feigheit. So wie sie ihren Vater verachtete, der es bei der Dresdner Bank zu nichts gebracht hatte. Herr Otto Klein ordnete bis zum heutigen Tag Wertpapiere ein und prüfte die Kennnummern. Sein Herzinfarkt im letzten Jahr hatte demgemäß bei Lucie weder Entsetzen noch Mitgefühl ausgelöst, sondern nur den zynischen Kommentar: "Dass einer, den ich eingearbeitet habe, hinterher mein Abteilungsleiter wird, das wäre mir nicht passiert".

Otto Klein war auch so ein Mann, der sich nichts traute. Die Frauen herrschten in seiner Familie. Seit er in Pension war, ging er jeden Tag in den Keller, wo er sich eine Hausbar eingerichtet hatte und trank. Nur einmal war er in Erscheinung getreten. Als Lucie sich ein Kostüm gekauft hatte, das knapp unter dem Knie endete. "Da verstehst du nichts von", hatte Frau Klein ihn beschieden und wieder in den Keller geschickt.

Seit sechs Wochen war Erich Wesbächer nicht mehr in ihrem Appartement am Alwin Mittasch Platz gewesen. Vielleicht hatte sie bis jetzt gezögert, seine Bilder von der Wand zu nehmen. Jetzt würde sie es bestimmt tun, nachdem er nicht eingegriffen hatte, um ihre Schmach zu verhindern. Im Grunde nahm sich sein harmloses Konterfei mit Schlips zwischen den ganzen Picasso und Van Gogh Kunstdrucken ohnehin etwas merkwürdig aus. So deplaziert wie manche seiner Kommentare im Museum, wenn sie ihn dann von der Seite anblickte und sagte: "Du musst dich in Kunst hineinversetzen können. Das ist eine ganz andere Welt. Dieses Bild hier ist abstrakt. Da hat der Künstler das Gegenständliche ganz hinter sich gelassen, verstehst du? Wenn einer Gegenstände darstellen will, kann er doch gleich die Kamera nehmen".

In solchen Augenblicken war es vorgekommen, dass er an die Existenz eines anderen Mannes neben ihm glaubte. Wie kam eine Frau in ihrer Position zu derartigem Wissen? All die anderen Büromiezen kannten nur den Frühjahrskatalog von Quelle und interessierten sich für Parfüms und Frisuren. Da konnte nur ein Mann im Spiel sein, einer von der feingeistigen Sorte. Kunstlehrer vielleicht, Studienrat an einem der Gymnasien, der würde auch zu ihr passen. Besser als er selbst. Doch dann wäre ihr Verhalten noch unvernünftiger. Ihn zu einem Schritt zu nötigen, nach dem er überall unten durch war. Glaube sie etwa, er könne sich nach einer Scheidung abends im Casino mit ihr blicken lassen, Arm in Arm?

Er an Lucies Stelle hätte den Studienrat genommen. Doch möglicherweise war der ebenfalls verheiratet. Es musste einen Grund für ihr Verhalten geben. Immerhin hatte er ihr Cabrio in die Werkstatt gebracht und für die Reparatur der Waschmaschine gesorgt. Er hatte ihr den ganzen Schmuck gekauft und sie brauchte sich um keine Handwerkerrechnung zu kümmern.

Erich Wesbächer merkte nicht, als plötzlich Kuchengabeln hinfielen und die Gespräche abbrachen. Ein spitzer Schrei hing in der Luft.

Der Wind weht, wo er will und wirbelt welke Blätter vor sich her. Lucies Schminkspiegel splitterte auf dem Zementboden. Ihre Mutter hatte sie angeblickt. Die tiefe Rinne senkrecht auf der Stirn, die Furchen zwischen Nasenwurzel und Mund, die Schatten unter den Augen, umgeben von bleichem Erschrecken: "Das wirst du bitter bereuen, Lucie", sprach die Mutter in ihrem schwarzen Kostüm, "Du kannst das Leben nicht zwingen". Wie ein Urteil waren die Worte auf sie gefallen, hatten die Beerdigung der Großtante zu einem Menetekel gemacht, waren ihr mit Rabenweisheit gefolgt, bis nach Rimini, beim letztenmal. Nur langsam waren dort aus den Raben wieder Silbermöwen geworden.

"Lucie, das ist ein Brillant ...du musst ihn gegen Licht halten".

Die Tanzkapelle und der pomadige Kellner. Hell illuminierte Familienausflugsdampfer legten an und spien Lärmendes aus, das roch nach Valpolicella und Eiskrem, Mütter, die Kindermünder mit dem Taschentuch malträtierten, "so würde ich das mit meinem Kind mal nicht machen".

"Lucie, das ist ein Brillant ... du musst ihn gegen Licht halten".

Ein Lampenschirm, der auf den Fliesen zerscherbelte, "Eine Frau, die muss Zigeunerblut in sich haben, verstehst du? Wenn eine so stocksteif daliegt wie Marianne, da verfliegt mir alles".

Erichs zitternde Hand, sein gelichtetes Haar, nichtmal durchs Fenster kam ein Luftzug, wie Draht die Haare an seinen Beinen, "hol doch mal ein Handtuch", sie hatte vergessen, die Tür abzusperren,

"Lucie, das ist ein Brillant ... du musst ihn gegen Licht halten ..."

Sein stoßweiser Atem, seine tierische Verrichtung, um derentwillen er das alles in Kauf nahm, das Waschbecken im Zimmer, das Wasserglas, die Aspirin zerfiel in Zeitlupe. Das Muschelgericht wahrscheinlich, schweißnasses Festkleben an Laken und Kissen. Das roch unappetitlich wie das Ausgespiene.

Die feuchte Seeluft, man musste irgendwie wieder heimkommen, es war ohnehin der letzte Tag. Überhaupt der letzte Tag. Dann flogen Bäume und Buschreihen an ihr vorbei, Die Übelkeit war abgetaucht, sie schwamm, sie flog in azurblauem Himmel, zwei Stunden zu früh, aber vorher in jedem Fall die Bergstraße sehen. Sie wich weiträumig den Kumuluswolken aus, der Wetterbericht hatte örtliche Gewitter angekündigt, doch ansonsten vorwiegend heiter, einige Turbulenzen über den Alpen, darauf war man gefasst. Ruhig glitt das Cabrio dahin, kaum ein Flügelschlag, die Aufwinde hielten, man konnte sich treiben lassen und die Welt lag ihr noch einmal zu Füßen. Dann Rhein und Nebenflüsse, Haufendörfer und ahnungslos träumende Städte, jetzt der Neckar. Sie beschrieb eine sanfte Kurve, Heidelberg, Schriesheim, Heppenheim, hier ihr Eigenheim, der Garten. Von oben die Rosen und Chrysanthemen, ein kleiner Goldfischteich, Wicken am Zaun, nur für zwei. Alles in Ruhe. Kein schweißnasses Aneinanderkleben und auf die Uhr schauen, "das wirst du bitter bereuen, Lucie".

Die schwarzmumifizierte Mutter steht an ihrem eigenen Grab und steigt hinab. Nimmt die kleine Schaufel und wirft sich Erde, Asche, Staub aufs Haupt. "Das hätte man von seiner Tochter nicht erwartet, seinem einzigen Kind". Sie ergreift den großen Spaten, der bereitliegt und beginnt zu schaufeln, sie wird das nicht schaffen, ganz allein, es ist völlig unmöglich, sich selbst zu beerdigen. "Ich weiß schon, du willst es mir einfach machen, ich kann es nicht. Ich kann es wirklich nicht".

"Jeder hat das Recht, mit seinem Leben zu machen, was er will", sie zuckt mit den Schultern und setzt ihre Arbeit fort. Recht hat sie. Diesmal. Früher hat sie anders geredet. Krächzend saßen ihre Rabenreden noch auf Lucies Schulter und pickten sie ins Ohr: nur Hexen tun das. Lassen kalten Samen in ihr schamloses Fleisch fließen, erhitzen sich daran und nehmen, was ihnen vermeintlich zusteht, es ist wider die Moral, man darf das Leben nicht zwingen.

"Alte Schachtel ...", hörte Lucie sich sagen, dann zersplitterte der Spiegel. Alles andere ging dann von allein.

Die Stöckel weggetan, den Knirps aufgespannt, die Brüstung war leicht zu erklimmen. Natürlich durfte man nicht nach unten schauen, nur auf die Füße, die nun, einer vor den anderen gesetzt, recht solide auf dem Eisen standen. "Ich Sie sehe große Kiinstler in Manege, Sie werden brauchene keine Netze, so siicher ist Fuß", mit spitzbübischem Lächeln meldete sich Grappo. Nur er konnte den Mut herbeigezaubert haben, etwas Außergewöhnliches zu tun. Etwas von Format, das einen heraushob aus dem Ameisengewimmel da unten am Tor 2, wo die Sirene gleich halb fünf blies. Etwas, das die Katastrophe, wenn sie denn schon kommen musste, wenigstens auf stilvolle Weise inszenierte. Das Zirkusorchester spielte einen Marsch, der Trommelwirbel kündigte ein neues Kunststück an. Unten raunte und brummte die Fabrik, stieß kleine und große, manchmal bunte Wolken aus. Eine Möwenschar stieg vor ihr auf. Man hätte jetzt mit großer Geste Futter werfen und sie beobachten können, wie sie die Happen im Flug sich holen, Lucie war jetzt stark und sichtbar. Drüben pendelte Grappo auf dem Trapez, kam mit erhobenen Armen auf sie zu, entfernte sich wieder, kehrte zurück in schlafwandlerischer Gleichförmigkeit. Beim nächsten, übernächsten Mal musste sie springen, ihm in die Arme springen, das erforderte äußerste Konzentration. Eine Konzentration, die andere Möglichkeiten als das Aufgefangenwerden nicht zuließ, ja völlig ausschloss.

Oft hatte sie in den Nächten der vergangenen Monate das durchgespielt, wenn die Hitzewallungen sie nicht schlafen ließen und beginnende Krampfadern ihre Beine mit Nadeln spickten. Sie war immer nur bis zu dem Augenblick gelangt, wo die Trommeln schwiegen, aber nie zum grande finale. Sie war aufgewacht. Eine Rücksichtnahme, wie sie Leuten eigen ist, die meinen, etwas verlieren zu können. In Wirklichkeit konnte man nie etwas verlieren, weil die Dinge ohnehin mit der Zeit verwehten. Es war alles eine Frage des Maßstabs. Die meisten Leute suchten ihren Lebensinhalt mit der Lupe. Was fand man da schon? Ein Haus? einen Mann? ein Kind? Das war doch alles Illusion.

Wirklich und groß war nur der Wind, den man spürte, der trug und der die Dinge bewegte. Der Sturm, der Bäume ausriss und Wogen peitschte, das Brausen im Weltgebäude, das plötzlich umschlagen konnte in ein Säuseln verschwiegener Kräfte, die dem Universum Wege, Ziel und Bahn wiesen. Es gab die Brise, die stetig vorantrieb und die Bö, die einem in die Haare griff und alles verwirrte. In allem aber ein Vorwärtsstürzen der Dinge, die niemand aufhielt. Ein Treiben, welches auch die Menschenleben mitriss, hoch ans Firmament, bevor alles abstürzte ins Nichts.

Lucie war nicht die Frau, die irgendwo in der Normandie mit dem Cabrio Anlauf genommen und über eine Klippe gefahren wäre, vielleicht mit einem Abschiedsbrief an Erich auf dem Herzen, das wäre bloß ein Drama gewesen, kein Kunstwerk.

Roland Wesbächer stocherte schläfrig in seinem Obstsalat, als das Gerede um ihn herum verstummte. Er blickte in die großen Augen seines Tischnachbarn, der ihm vorhin die Streichholztricks gezeigt hatte, als die Langeweile über Tischdecke und Hände gekrochen war. Die Augen starrten auf etwas hinter ihm. Plötzlich war alles rund in diesem Hängebackengesicht. Dann wurde das Gesicht von dem massigen Körper angehoben, auch die anderen Leute erhoben sich wortlos, alle starrten mit den gleichen, fassungslosen Augen auf einen Punkt, der hinter seinem Rücken lag. Da begriff Roland, dass etwas Ungewöhnliches im Gang sein müsse. Der Lauf der Dinge war unterbrochen.

Er fuhr herum. Draußen, hinter den Scheiben, hob sich eine Gestalt vom Himmel ab, die stand oben auf dem Geländer des Umgangs. Auf dem Geländer, an dem er sich vor einer dreiviertel Stunde festgeklammert hatte, als ihm vor dem Abgrund der Spielzeugautos und Modellstraßenbahnen schwindlig geworden war. Mit der Rechten hielt die Frau einen aufgespannten Regenschirm, die Linke war ausgestreckt. Sicher und ohne Zögern setzte sie einen Fuß vor den anderen, das Kleid flatterte um ihre Beine.

Die Leute drinnen bewegten sich stumm, fast andächtig, zu den Fenstern hin. Selbst die Bedienung ließ den Servierwagen stehen und beobachtete das Kunststück auf Zehenspitzen. Roland zwickte sich in den Arm, um sicherzugehen, dass er nicht träumte. Doch dann sah er seine Mutter. Die Eltern waren als einzige sitzengeblieben und starrten sich an.

"Bis daß der Tod euch scheidet!", zischte die Mutter mit versteinertem Gesicht. Ihre Augen flackerten. Da wusste Roland, daß er nicht träumte.

Eine Windbö fuhr in den Regenschirm und stülpte ihn herum, die Frau versuchte ihn mit beiden Händen zu halten, wurde unsicher, ihr Körper gab nach und schwankte. Da machten ihre Füße einen größeren Schritt und sie stand wieder sicher.

Roland Wesbächer spürte, dass diese Frau da draußen nicht einfach auf dem Geländer ging. Das war ein Tanzen. Ein leichtfüßiges Dahinschweben in Grazie und Wechselschritt. Vielleicht war er der Einzige, der das bemerkte, denn sie zeigte das nicht offen. Doch in ihrem Schreiten lag eindeutig ein Rhythmus, ein beherrschtes über sich Hinauswachsen in eine Melodie hinein, in einen Takt und Harmonien. In eine Welt jenseits von Fensterscheiben und Rahmenkonstruktionen. Was wie ein Straucheln ausgesehen hatte, war in Wirklichkeit die Promenade gewesen. Ihre Gesten, die das Gleichgewicht hielten, herrschten graziös über Wind und Regenschauer. Was von drüben gegen die Scheiben fegte, gehorchte dem Willen dieser Frau und diente ihrer schwerelosen Erhebung über Raum und Zeit. "Der Sinn eines Frauenlebens ist das Glücklichsein!", hatte irgendeiner im Fernsehen gesagt. Es war in der Operette gewesen, "Der Vetter von Dinsda" oder so ähnlich.

Die Schiebetür rumpelte, als Männerstimmen knappe, entschlossene Laute gaben. Ein kalter Hauch kam herein, zwei drei Gestalten stürzten hinaus, griffen nach den Unterschenkeln und Füßen der Frau und rissen sie grob vom Geländer herab. Es gab einen kleinen Knall, als ihre Kniescheibe auf dem Eisen aufschlug. Eine Männerhand, die brutal in Bauch und Kostümstoff grabschte, verhinderte, dass sie zur falschen Seite hin von der Brüstung fiel.

Roland hielt nichts mehr auf seinem Stuhl. Nichtmal der gleichzeitige Ruf beider Eltern. Zwischen Hosenbeinen und weichen Hüften kämpfte er sich durch, da lag die Frau mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden, hielt sich Knie und Schulter, Tränen liefen ihr durchs Makeup und bildeten kleine Furchen.

"Das ist allerhand!" rief jemand, "unfassbar", tönte eine Frauenstimme. Das wirkte als Erlösung. Die Menge begann wie auf Kommando loszuschwatzen und wogte gestikulierend, kopfschüttelnd durch den kleinen Saal zurück an die Tische. Zwei Männer hoben die Frau vom Boden, stützten sie und setzten sie drinnen auf einen Stuhl. Die Schiebetür wurde sorgsam verschlossen. Worte wie: "Polizei", "Sanitäter", "Nervenheilanstalt", drangen an Rolands Ohr, ein Herr mit grauen Schläfen telefonierte.

Ein anderer erhob sich und fragte:

"Wer will alles Kaffee?"

Ein neuer Servierwagen, mit Kannen und Kuchen bestanden, wurde geschäftig hereingeschoben. Man setzte laut und betont gutgelaunt die Unterhaltungen fort. Ein Witz machte die Runde. Die Frau am Fenster sackte immer mehr in sich zusammen, hielt den Kopf in beide Hände gestützt, weinte nichtmal mehr. Sie wurde immer grauer und begann unaufhaltsam mit dem Betonpfeiler hinter ihr zu verschmelzen. Verstohlene Blicke, die einander begegneten, lösten sich sofort in verbindliches Lächeln. Riesling wurde ausgeschenkt, wer wollte, konnte auf Erich einen Cinzano trinken.

Roland war der einzige, der nicht an den Tisch zurückgekehrt war. Mund und Augen wollten sich nicht schließen. Draußen riss die Wolkendecke auf und ließ ein Bündel Sonnenstrahlen herab. Auf den Scheiben glitzerten die Regentropfen, im Gegenlicht sah man nur noch Schatten um sich herum. Die Cafeteria mit ihrem Lärm rückte weg, für Augenblicke stand er allein ganz eingetaucht in eine Lichtwelt, der Himmel war um ihn, mit Wolken Luft und Winden, seine Füße standen auf weiter Bahn. Wieso war ihm das alles nie aufgefallen? Als die Sonne sich in rotvioletten Kaskaden wieder zurückzog und das Licht verlosch, blickte er plötzlich in das lächelnde Gesicht der Frau. Sie war ganz an den Pfeiler gedrückt und in sich zurückgehalten, aber hatte ihn wohl beobachtet. Roland erschrak, sie schüttelte leicht den Kopf:

"Man darf ... die Leute hier ... nicht so wichtig nehmen", flüsterte sie, dass Roland es eben noch verstehen konnte. "die wissen alle nichts mit ihrem Leben anzufangen".

"Wofür ist man denn am Leben?"

"Für die Schönheit von allem", antwortete sie und lächelte wieder. "Und um frei zu sein. Lass' dir das von keinem ausreden".

Nach einiger Zeit kamen Männer in weißen Uniformen. Der Größere, Kräftige hatte eine Art Jacke mit ganz langen Ärmeln über dem Arm geschlagen, an denen Bänder befestigt waren. Der andere trug einen Rotkreuzkoffer. Sie beachteten jedoch das aufgeschlagene Knie der Frau nicht, sondern redeten leise, gestenreich auf sie ein, hoben sie dann vorsichtig hoch und schleppten sie zum Fahrstuhl.

Die Gespräche liefen gedämpft weiter, man hielt die Augen gesenkt und bemühte sich, nichts zu sehen, bis alles vorüber war. Das letzte, was Roland von der Frau sah, war eine zerbrechliche, zitternde Gestalt, die mit vornübergebeugtem, schleppendem Gang über den Teppichboden schlich. Quietschend schloss die Fahrstuhltür. Der Vater wischte sich mit einem großen weißen Taschentuch über Gesicht und Nacken, die Mutter prostete den blonden, gackernden Sekretärinnen zu. Draußen auf der Brüstung saß eine Möwe, pickte und stocherte sich im Gefieder herum und flog weiter.

Da wusste Roland Wesbächer, dass er all diese Leute hasste.

 

Ende